Gedenkfeier "Hundert Jahre Erster Weltkrieg"

"Das darf sich nie wiederholen"

 

Gedenken deutscher und französischer Schüler zum Beginn des ersten Weltkriegs 1914

BURGTHANN - Eine anspruchsvolle Demonstration, wie die junge Generation die deutsch-französische Freundschaft versteht und praktiziert, und welchen tieferen Sinn solche Beziehungen haben, gab es gestern in der Mittelschule. Dort fand eine Gedenkfeier zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren statt.

Die deutschen Schüler der Mittelschule und die französischen der Partnerschule Collège Louis Timbal in Chateauponsac, die zur Zeit in Burgthann zu Besuch sind, hatten informative Beiträge zum Thema ausgearbeitet, die sie in der Aula vortrugen. Tenor: Freundschaft unter den Völkern kann und muss verhindern, dass sich solche Geschehnisse wiederholen.

Eine kleine Ausstellung mit Postern zum Thema, die unter anderem auf die Kriegerdenkmäler in der Gemeinde hinweisen, die Rüstungsindustrie anprangern oder den geistigen Nährboden für kriegerische Auseinandersetzungen in Schlagwörtern umreißen, war während der gemeinsamen Workshops am Vortag aufgebaut worden. Zur Einstimmung gab es Musik, einmal eine Fanfare auf der Trompete von Eddie Feil und zum anderen eine Samba der Trommelgruppe "als Kontrapunkt zum 1. Weltkrieg", um das wirklich schwere Thema etwas aufzulockern, wie Lehrer Hubert Kohlbrenner erklärte.

Die Begrüßungsrede von Schulleiterin Hannelore Bock wurde beinahe simultan für die französischen Gäste von einer Lehrkraft aus Frankreich übersetzt. Auch die Moderation durch zwei Schüler erfolgte zweisprachig. Bock sprach die verheerenden Auswirkungen des Kriegs an, der Millionen von Todesopfern forderte, aber auch die Tatsache, dass er Hass unter den beteiligten Völkern noch lange in Europa zu spüren war. Für die anwesenden Schüler bedeute dies, so Bock, dass man nur in eine friedliche Zukunft blicken könne, wenn man bereit ist, sich zu erinnern: "Wir alle sind verantwortlich für das, was in unseren Ländern passiert", folgerte sie und freute sich, dass die deutsch-französische Freundschaft im Fall von Burgthann und Chateauponsac so beispielhaft funktioniert.

Bürgermeister Heinz Meyer schloss sich diesen Worten an und betonte, dass diese Freundschaft von beiden Seiten sehr gut gepflegt werde. Solche Aktivitäten böten Chancen,  die grausamen Kriege zu verhindern und den Frieden in der Welt zu fördern. Er hoffe sehr, dass es Frankreich und Deutschland gelänge, ihren Einfluss zu nutzen und dabei zu helfen, einen Krieg in der Ukraine zu verhindern.

Im Anschluss präsentierte die 7. Klasse der Mittelschule ihre Überlegungen zu den gefährlichen "Ismen", wie sie Lehrer Kohlbrenner bezeichnete, die für die Entstehung von kriegerischen Auseinandersetzungen verantwortlich sein können: Kolonialismus, Imperialismus, Rassismus, Nationalismus, Patriotismus und Militarismus präsentierten die Jungen und Mädchen und deren Charakteristika.

Die 8. Klasse unter Leitung von Sigrid Schuster glänzte durch geballte Informationen zum Thema. Historische Bezüge, Namen, Schlagwörter und Aktionen setzten sie mosaikartig zu einem Gesamtbild zusammen. Die Rolle der Frau im Krieg, die bekannte Hölle von Verdun, oder die verzweifelten Feldpostbriefe waren Themen.

Geschichtslehrer Jean-Claude Pruchon aus Chateauponsac veranschaulichte mit ausgewählten Dias, wie man sich die ländlich geprägte Stadt beim Ausbruch des Krieges vorzustellen hatte. Daran anschließend hielten die jungen Französinnen und Franzosen kleine Referate über die Biografien von Soldaten, die in den 1. Weltkrieg ziehen mussten. Angesichts der Tatsache, dass die Schüler erst im zweiten Jahr Deutsch lernen, ein sehr mutiges und beinahe zu ambitioniertes Unterfangen, das sie mit viel Disziplin und Ehrgeiz auf sich nahmen.

Die Klasse 7M präsentierte schließlich "Nachrichten von der Front und aus der Heimat" bevor Diana und Auxanne auf deutsch und französisch das legendäre "Sag mir, wo die Blumen sind" (Que sont devenues les fleurs) intonierten.

Zusammen mit der Altdorfer Künstlerin Gisela Leitner hatten Schüler im Vorfeld Textilkunstwerke erstellt, die zum Abschluss, bevor es einen kleinen Imbiss für alle Beteiligten und Gäste gab, feierlich enthüllt wurden. G.S.